Abgasskandal - Wochenrückblick vom 3.12. – 9.12.2018


Bei VW wurde eine erneute Affäre um unzulässig verkaufte Vorserienautos aufgedeckt, bereits 81.000 Dieselfahrer haben sich der Musterfeststellungsklage angeschlossen, Audi ruft 64.000 weitere Fahrzeuge zurück, auf einem erneuten Dieselgipfel wurde die Förderung von Maßnahmen für saubere Luft aufgestockt, VW kündigte den Ausstieg aus der Produktion des Verbrennungsmotors an, durch die Umstellung auf die Produktion von Elektroautos gehen etwa 100.000 Arbeitsplätze verloren und VW verschärft seinen Sparkurs.

VW: Tausende Versuchswagen ungeprüft verkauft

Der VW-Konzern hat tausende Test- und Erprobungsfahrzeuge in „unklarem Bauzustand“ ungeprüft an ahnungslose Kunden verkauft. Darunter könnten einige gefährlich sein, da unklar ist, welche Teile in ihnen verbaut wurden. Der Konzern vermittelte den Kunden jedoch, bei den Fahrzeugen handele es sich um normale Serienmodelle, die auf alle Funktionen geprüft und fehlerfrei seien. Konzernchef Herbert Diess war seit Juli 2016 durch mehrere Revisionsberichte über das Problem und die damit verbundenen Risiken informiert. Nun, mehr als zwei Jahre nach Kenntniserlangung informierte VW die betroffenen Kunden, bat sie um Entschuldigung und forderte sie auf, ihre Autos dem Konzern zurück zu verkaufen. Knapp 17.000 Fahrzeuge sind weltweit betroffen. VW hat diese von 2006-2015 ohne Prüfung und Korrektur vermarktet. Die VW-Revision stellte im Juli 2016 in einer als vertraulich eingestuften Mitteilung „dringend bereichsübergreifenden Handlungsbedarf“ fest. Im September dieses Jahres informierte VW dann das Kraftfahrtbundesamt (KBA), welches einen verpflichtenden Rückruf anordnete und die EU informierte. Das Verkehrsministerium prüft zudem die Verhängung eines Bußgelds gegen VW.

81.000 Teilnehmer an Musterfeststellungsklage

Inzwischen haben sich mehr als 81.000 Dieselfahrer für die Musterfeststellungsklage gegen Volkswagen angemeldet. Das Klageregister ist Ende November eröffnet worden. Klaus Müller, Chef der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), gab an, das Interesse, sich an einer Klage gegen VW zu beteiligen, sei also offensichtlich sehr groß. „Wir rechnen damit, dass die Zahl der Anmeldungen weiter steigt“, gab er an.

Audi ruft weitere 64.000 Fahrzeuge zurück

Audi ruft im Zusammenhang mit dem Dieselskandal weitere 64.000 Fahrzeuge zurück in die Werkstätten, um ein Software-Update aufzuspielen. Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) hat die entsprechenden Updates genehmigt, daher können inzwischen rund zwei Drittel der insgesamt 151.000 betroffenen Fahrzeuge zurück in die Werkstätten beordert werden. Das Update entfernt einen Software-Baustein aus der Motorsteuerung.

Dieselgipfel: Mehr Geld für saubere Luft

Bei einem erneuten Dieselgipfel wurde das Volumen des „Sofortprogramm Saubere Luft 2017-2020“ erhöht. Das Programm wurde beim ersten Dieselgipfel im September 2017 aufgelegt und hatte bisher einen Umfang von einer Milliarde Euro. Nun teilten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) mit, dass die Große Koalition dieses Programm um 500 Millionen Euro aufstocken will. Dadurch will die Bundesregierung unter anderem die Städte bei der Hardware-Nachrüstung von Bussen und der Anschaffung von Elektrofahrzeugen im öffentlichen Nahverkehr unterstützen. Zusätzlich dazu sind weitere 432 Millionen Euro für die Förderung der Nachrüstung von Kleinlastern vorgesehen. Merkel sprach nach dem Gipfel von einem „sehr sinnvollen Treffen“. Der Präsident des Verbandes Kommunaler Unternehmen und Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebeling begrüßte zwar die Erhöhung der Fördersumme, jedoch kritisierte er, es fehle der große Wurf für die Zukunft. Es gebe keine langfristigen Konzepte und die Mittel für eine echte Verkehrswende reichten nicht aus.

VW kündigt Ausstieg aus der Produktion des Verbrennungsmotors an

VW kündigte den Ausstieg aus der Produktion des Verbrennungsmotors an. VW-Chefstratege Michael Jost sagte: „Im Jahr 2026 beginnt der letzte Produktstart einer Verbrennerplattform“. Künftig setzt VW vornehmlich auf Elektroantriebe und will sich von Benzinern und Diesel trennen. Jost sagte weiter, das Ziel des Pariser Klimaabkommens könne nur erreicht werden, wenn im Jahr 2050 kein Auto mit Verbrennungsmotor mehr auf den Straßen fahre. Daher rechne VW damit, die letzten Verbrenner etwa um 2040 zu verkaufen. „Das erste Stoppschild wird dann gesetzt.“ Die letzten neuen Modelle als Benziner oder Diesel dürften folglich in den frühen 2030er Jahren auf den Markt kommen. Das Ende des Verbrennungsmotors solle den gesamten VW-Konzern umwälzen. „Der grüne Ast wird zu unserem neuen Geschäftsmodell“, sagte er. VW verspricht für den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs in Zukunft Klimaneutralität. Sogar der Strom, der in den Fabriken verbraucht wird, soll künftig vollständig aus erneuerbaren Energien herrühren.

Durch Umstellung auf Elektroautos: 100.000 Arbeitsplätze entfallen

Aus einer neu veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) geht hervor, dass in Deutschland infolge der Umstellung von durch Verbrennungsmotoren angetriebenen Fahrzeuge auf Elektroautos zehntausende Arbeitsplätze verloren gehen. Im Jahr 2035 werden knapp 114.000 Arbeitsplätze aufgrund der Umstellung verloren gegangen sein. Im Fahrzeugbau direkt werden der Untersuchung zufolge 83.000 Arbeitsplätze wegfallen. Die Forscher gaben zudem an: „Andere Branchen geraten ebenfalls in Mitleidenschaft und müssen mehr als 30.000 Stellen abbauen“. Jedoch würden gleichzeitig etwa 16.000 neue Stellen geschaffen, etwa im Bauwesen, bei Stromversorgern oder in Teilen des Dienstleistungsbereichs und des Verarbeitenden Gewerbes. Die IAB-Fachleute schrieben weiter: „Von der Elektrifizierung des Antriebsstrangs werden vor allem Fachkräfte negativ betroffen sein. Zeitverzögert sinkt auch der Bedarf nach Spezialisten und Expertentätigkeiten. In der längeren Frist ergeben sich negative Effekte für alle Anforderungsniveaus.“ In den kommenden Jahren dürften sich jedoch zunächst positive Effekte zeigen, etwa durch die notwendigen zusätzlichen Investitionen der Autobranche, die Bauausgaben in die Ladeinfrastruktur und die Neuausrüstung des Stromnetzes. Die Grundlage der Prognosen ist eine simulierte Situation, in der der Anteil der E-Autos auf 23 Prozent steigt, wobei die Gesamtzahl aller verkauften Pkw in etwa gleich bleibt. Den Forschern zufolge könnte der Verlust an Jobs und Wirtschaftsleistung jedoch sogar deutlich höher ausfallen, falls der Anteil von E-Autos wesentlich stärker steigt als angenommen. Andererseits ist es jedoch möglich, dass auch langfristig mehr neue Arbeitsplätze entstehen und die Wirtschaft stärker wächst. Dafür müsste jedoch die Batteriefertigung in Deutschland selbst stattfinden und die Autobauer ihren Marktanteil steigern können.

VW verschärft Sparkurs

VW hat angekündigt, die Kosten der Kernmarke stärker zu senken, als ursprünglich geplant. Insgesamt sollen zusätzlich drei Milliarden Euro bis 2022 eingespart werden, auch ein Stellenabbau sei nicht ausgeschlossen. Dies kündigte Finanzvorstand Arno Antlitz an. Genaue Zahlen wollte er nicht nennen, jedoch gab er an: „In der Verwaltung haben wir eine große Chance zur Verschlankung“. Zudem will VW in Zukunft weniger Modelle und Varianten anbieten. Ein Viertel der Getriebe und Motoren soll aus dem Katalog fallen. Auch die Kosten für Zulieferer sollten weiter gesenkt werden. Das durch die Maßnahmen eingesparte Geld soll helfen, die Investitionen in die Elektromobilität zu stemmen.