Abgasskandal - Wochenrückblick vom 25.9. – 1.10.2017


VW gab eine Gewinnwarnung aus, der frühere Porsche-Manager Wolfgang Hatz wurde verhaftet, Umweltverbände sehen eine mögliche Jamaika-Koalition als Chance für die Autoindustrie und einige Autohersteller drohen, die CO2-Ziele bis 2021 zu verfehlen.

Gewinnwarnung von VW

VW muss infolge des Abgasskandals weitere 2,5 Milliarden Euro Abschreibungen verbuchen. Der Konzern gab daher eine Gewinnwarnung heraus. Insgesamt steigt somit die Summe für die Bewältigung des Abgasskandals auf 25,1 Milliarden Euro. Hintergrund für die erneute Aufwendung sei eine Aufstockung der Vorsorge für das Rückruf- und Nachrüstprogramm in Nordamerika. Diese seien erheblich langwieriger und technisch anspruchsvoller als gedacht. Weiterhin seien Vergleiche mit geschädigten Autobesitzern möglich. Nach Bekanntgabe der neuerlichen Belastungen rutschte die VW-Aktie ins Minus.

Verhaftung von Ex-Porsche-Vorstand

Wolfgang Hatz, ehemaliger Porsche-Manager, wurde von der Staatsanwaltschaft München in Untersuchungshaft genommen. Damit wurde erstmals ein Mitglied der Führungsetage festgenommen, Hatz gilt als enger Vertrauter des ehemaligen VW-Vorstandschefs Martin Winterkorn. Er verantwortete jahrelang die Entwicklung der Motoren im VW-Konzern. Zunächst leitete er bei der Porsche AG die Versuchsabteilung Formel 1, danach war er Chef der Motorenentwicklung der Audi-AG. Anschließend wurde er Leiter der Aggregate-Entwicklung im VW-Konzern und Generalbevollmächtigter der Volkswagen AG. Bis zu seiner Beurlaubung in Folge des Abgasskandals agierte Hatz als Verantwortlicher für Forschung und Entwicklung im Vorstand der Porsche AG. 2016 einigte er sich mit Porsche auf einen Aufhebungsvertrag. Die Strafverfolger gehen davon aus, dass Hatz nicht nur eine wichtige Rolle im Abgasskandal gespielt hat, sondern auch seinen früheren Audi-Kollegen Tipps gegeben hat, wie man in der Affäre am besten aussage, um Schlimmeres zu verhindern. Die Haftgründe sind unklar, in Betracht kommen Flucht- oder Verdunkelungsgefahr.

Jamaika als Chance für die Autoindustrie

Eine mögliche Jamaika-Koalition aus Union, FDP und Grünen wird von Umweltverbänden, wie etwa dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) als neue Möglichkeit für die Automobilindustrie bewertet. Man könne den Klimaschutz mit alternativen Antrieben als Chance begreifen, sagte der Verkehrsexperte des VCD, Gerd Lottsiepen, in Berlin. Dies hänge jedoch ganz wesentlich von der FDP ab, diese müsse sich am meisten bewegen. Die Autoindustrie könne nicht so weitermachen, der Umstieg auf emissionsfreie Mobilität sei eine Investition in eine moderne, zukunftsfähige, umweltverträgliche Wirtschaft. Darauf könnten sich die drei Fraktionen doch einigen, so Lottsiepen weiter. Den Umstieg auf Elektromobilität könne man über schärfere CO2-Grenzwerte erreichen, sagte der VCD-Chef. Stefan Krug, Leiter der politischen Vertretung von Greenpeace sagte in Berlin, in einer Jamaika-Koalition werde Umwelt- und Klimapolitik schon deshalb wichtiger werden, weil Union und FDP die Grünen anders nicht in einer Regierung halten könnten.

Automobilhersteller müssen CO2-Ausstoß weiter senken

Bis zum Jahr 2021 müssen die Automobilhersteller infolge eines Beschlusses der EU-Kommission ihren CO2-Ausstoß weiter senken, durchschnittlich auf 95 Gramm pro Kilometer. Bei einer Verfehlung dieser Ziele drohen hohe Strafen. Dennoch werden einige Autohersteller dieses Ziel wohl verpassen. Die individuellen Ziele hängen stark vom Fahrzeugangebot der Hersteller ab. Nach Berechnungen der Unternehmensberatung PA Consulting Group wird dabei unter anderem BMW seine Zielvorgabe von 100,3 Gramm/km verfehlen. Voraussichtlich werden die Fahrzeuge 2021 noch 104,7 Gramm CO2/km ausstoßen, weshalb empfindliche Strafen drohen. Je Gramm über dem Grenzwert muss der Autokonzern 95 Euro pro verkauftem Fahrzeug zahlen. Auch Daimler verfehlt das Ziel, jedoch nur um 1,4 Gramm/km. Besonders betroffen wäre nach den Berechnungen FCA (Fiat Chrysler), da diese ihr Ziel um 10,1 Gramm übersteigen, die Strafzahlungen dürften immens ausfallen. VW wird sein Ziel wohl um 4 Gramm verfehlen, weshalb Zahlungen in Höhe von 1,7 Milliarden Euro fällig werden könnten. Ford wird sein Ziel um 3,1 Gramm verfehlen, PSA (Peugeot Citroen) und Opel um 3,2 Gramm, ebenso wie Hyundai-Kia. Am besten schneidet der schwedische Volvo-Konzern ab, der sein Ziel um 30,4 Gramm unterbieten wird.