Abgasskandal - Wochenrückblick vom 17.9. – 23.9.2018


In Berlin fand erneut ein Dieselgipfel statt, das Anlegerverfahren gegen VW wird erst im November fortgesetzt, Porsche stellt den Dieselverkauf ein, VW konnte erste WLTP-Freigaben erreichen und die Frage der Finanzierung der geplanten Hardware-Nachrüstungen wurde diskutiert.

Dieselgipfel in Berlin

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), Finanzminister Olaf Scholz (SPD), Bernd Mattes, Vorsitzender des Automobilverbands VDA  und die Vorstandschefs der Konzerne VW, BMW und Daimler trafen sich im Kanzleramt, um über die Zukunft von Millionen manipulierter Dieselfahrzeuge zu bestimmen. Eine Einigung wurde jedoch nicht gefunden, stattdessen wurde die Entscheidung vertagt. Hauptthema des Treffens waren die geplanten Hardware-Nachrüstungen. Vorwiegend ging es dabei um die Frage, ob die deutschen Automobilkonzerne diese Umrüstungen finanzieren werden. Das Treffen blieb allerdings ohne konkrete Ergebnisse, Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer verkündete nach dem Termin, dass „der gemeinsame Wille“ auf eine „zeitnahe Lösung“ gerichtet sei. „Die Priorität ist auch ganz klar: Erneuerung der Flotte, um die besseren Werte zu erreichen in den Innenstädten. Das ist der gemeinsame Wille – auch die Botschaft, dass wir sehr konkret werden. In dem Komplex wurde auch über Hardware-Nachrüstung geredet“, sagte er. Jedoch solle bis zum Ende der nächsten Woche konkretisiert werden, wie eine solche Nachrüstung ausgestaltet, wer dafür berechtigt werden und wer diese bezahlen solle.

Anlegerverfahren wird erst im November fortgesetzt

Der Prozess im Musterfeststellungsverfahren der Anleger gegen VW wird erst Ende November mit Erörterungen zu möglichen Schäden für die Anleger weitergehen. Dies teilte der Vorsitzende Richter Christian Jäde mit. Sieben ursprünglich vorgesehene Termine fallen bis dahin aus. Für ihre Stellungnehmen haben beide Seiten wohl bis Ende Januar Zeit. Zuvor hatten sich die Parteien einen heftigen Schlagabtausch geliefert.

Porsche stellt Dieselverkauf ein

Porsche wird als erster deutscher Autokonzern aus dem Dieselverkauf aussteigen. „Von Porsche wird es künftig keinen Diesel mehr geben“, gab Vorstandschef Oliver Blume bekannt. Porsche wolle sich künftig auf das konzentrieren, was das Unternehmen gut könne. „Das sind emotionale, leistungsstarke Benziner, Hybride und ab 2019 werden es auch reine Elektrofahrzeuge sein.“ Blume sagte zudem weiter, dass Porsche nie selbst Dieselmotoren entwickelt und produziert habe. „Dennoch hat das Image von Porsche gelitten. Die Dieselkrise hat uns viel Ärger bereitet.“ Bereits seit einiger Zeit bietet Porsche keine Dieselausführung für seine Modelle mehr an, es war jedoch offen geblieben, ob dies dauerhaft so bleiben sollte. Porsche will nun nach eigenen Angaben den Markenkern stärken und sich intensiver in den Bereichen Hybridtechnologie und Elektromobilität engagieren. „Porsche wird in Zukunft noch mehr Porsche sein als in der Vergangenheit. Stark auf Leistung und Effizienz getrimmt. Der Diesel zielt auf andere Fahreigenschaften ab.“

VW: Erste WLTP-Freigaben

Drei Wochen nach der Einführung des neuen WLTP-Prüfverfahrens konnte VW bei der Freigabe für seine Motoren einen wichtigen Erfolg erzielen. Wie das Unternehmen mitteilte, können inzwischen für alle 14 Baureihen der Marke bestimmte Motor-Getriebe-Varianten bestellt werden, darunter auch der Golf und der Tiguan. Im Online-Konfigurator werden die Freigaben für diese Modelle nach Angaben des Konzerns erst mit der Umstellung auf das neue Modelljahr 2019 sichtbar. Für die Baureihen Up, Polo, Passat, Arteon und Touareg sei dies dagegen schon geschehen. VW rechnet nach eigenen Angaben damit, dass gegen Jahresende dann die Freigaben für alle Varianten vorliegen. Jedoch könne unabhängig von den vorliegenden Freigaben weiterhin die überwiegende Mehrzahl von Modellvarianten bestellt werden

Wer soll Hardwarenachrüstungen finanzieren?

Verkehrsminister Andreas Scheuer soll Berichten zufolge beim Dieselgipfel im Kanzleramt Hardware-Nachrüstungen für einzelne Fahrzeuge vorgeschlagen haben. Diese könnten auch von den Haltern der Autos mitfinanziert werden. Er schlug vor, nur solche Fahrzeuge umzurüsten, bei denen der nachträgliche Einbau von Stickoxidfiltern technisch sinnvoll sei. Dies würde vor allem die Dienstwagenflotten mit den Modellen VW Passat, BMW 3er und Mercedes C-Klasse betreffen. Hier könnten die Hersteller bei Umbaukosten von bis zu 3000 Euro etwa 80 Prozent der Kosten tragen, die übrigen 20 Prozent könnten beim Kunden hängen bleiben. Ein staatlicher Zuschuss ist demzufolge nicht vorgesehen. Zudem erwartet Scheuer von den Automobilkonzernen „höchst attraktive Angebote“, um Anreize zu schaffen, damit Besitzer älterer Dieselfahrzeuge zu einem neueren, saubereren Modell wechseln.