Abgasskandal - Wochenrückblick vom 9.10. – 15.10.2017


VW gab eine grundlegende Umstrukturierung des Konzerns bekannt, die Umsetzung des Mobilitätsfonds stockte weiterhin, in einer Musterklage gegen Porsche und VW begann der Prozess und in der Automobilbranche profitieren Kunden von einer aktuellen Rabattwelle.

Umstrukturierung VW-Konzern

Der Konzernchef Müller gab eine Neuausrichtung des Konzerns für die Zukunft bekannt. Alle wichtigen Fahrzeugkomponenten würden in einer neuen Konzernsparte gebündelt, so sollen die Kosten gesenkt und der Umstieg zur E-Mobilität vorangetrieben werden. Diese Entwicklung habe bereits begonnen, sämtliche Zuliefererbereiche der einzelnen Marken wurden zu einer neuen Konzernsparte, der „Komponente“ zusammengefasst. Darin sind vor allem Getriebe- und Motorenwerke zusammengebunden. Zudem solle der Zulieferbereich eine Schlüsselrolle beim Ausbau der Elektromobilität spielen. Bisher hat jede Marke ihren Zulieferbereich selbst gesteuert, für die neue „Komponente“ wurden die Markengrenzen aufgehoben. Zu dieser neuen Konzernsparte gehören außer Motoren und Getrieben die Fertigung von Lenkungen, Fahrwerken und Kunststoffteilen. Der starke Zulieferbereich zeichnet den VW-Konzern aus, andere deutsche Autohersteller, wie etwa BMW besitzen kein eigenes Getriebewerk. Die Bündelung sorge dafür, dass der Zulieferbereich effizienter arbeite und eigene Kompetenzen gestärkt werden können, sagte ein VW-Sprecher in Wolfsburg.

Umsetzung Mobilitätsfonds stockt

Bei einem Dieselgipfel im August war vom Bund ein 500-Millionen-Euro-Fonds eingerichtet worden, damit die Kommunen mit neuen Mobilitätskonzepten für saubere Luft sorgen könnten. Vier Wochen später stockte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Fonds um weitere 500 Millionen Euro auf. Seitdem sind jedoch kaum neue Projekte in Angriff genommen worden, weder vom Bund, noch von der Industrie, die sich ebenfalls zur Beteiligung am Fonds verpflichtet hatte. Im Bundeshaushalt stehe bisher kaum Geld bereit, lediglich 9,4 Millionen Euro konnte die Bundesregierung aus dem Bundesetat zur Verfügung stellen, damit die Kommunen zumindest Anträge zur Finanzierung ihrer Masterpläne stellen könnten. Das Finanzministerium gab an, es sei weiterhin möglich, bereits im laufenden Haushalt Ausgaben neu zu priorisieren, dann stünde mehr Geld bereit. Vorher soll jedoch bei einem weiteren Gipfel vereinbart werden, welche Projekte unter welchen Bedingungen gefördert werden sollen. Jedoch kommen die Vorbereitungen für den Gipfel nur schleppend voran. Es gäbe noch keinen Termin für den nächsten Gipfel, dabei sollte dieser ursprünglich bis Mitte November stattfinden. Die Kommunen haben bereits 57 Listen mit Vorschlägen eingereicht, auf deren Basis sie Fördergeld für ihre Masterpläne erhalten wollen.

Musterklage gegen Porsche und VW

Am Donnerstag, den 12.10.2017 begann vor dem Oberlandesgericht Celle im Streit um die Folgen der gescheiterten VW-Übernahme durch Porsche das Musterverfahren nach dem Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMuG). Der Übernahmeversuch hatte zu starken Kursturbulenzen geführt, welche einige Anleger viel Geld kosteten. Diese sahen sich rückblickend fehlinformiert und fordern eine Entschädigung. Ziel des Verfahrens ist ein Musterentscheid, der für die Beteiligten bindend ist. Es wird der Fall eines Musterklägers verhandelt und entschieden. Es wird erwartet, dass sich das Verfahren über Jahre hinzieht. Zunächst sind zehn Verhandlungstermine angesetzt.

Rabattwelle in der Autobranche

Die Verunsicherung der deutschen Neuwagenkäufer treibt die Autohersteller zu immer neuen Preisaktionen, Rabatten und Prämien. Dies zeigt auch die monatliche Studie des Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen, welche regelmäßig das Preisgeschehen am deutschen Automarkt analysiert. Außer Ferrari, Volvo und einigen kleineren Herstellern bieten mittlerweile alle Hersteller Rabatte an. Der durchschnittliche Kundenvorteil sei auf 16,1 Prozent des Listenpreises gestiegen, was einen Rabattrekord darstelle.