Abgasskandal - Wochenrückblick vom 6.8. – 12.8.2018


Exportierte Diesel aus Deutschland werden im europäischen Ausland zunehmend günstig verkauft, BMW ruft 324.000 Fahrzeuge in Europa wegen einer defekten Abgasrückführung zurück, am BER parken künftig 8.000 VW-Fahrzeuge und eine Initiative möchte die Hardware-Nachrüstung selbst umsetzen.

Exportierte Diesel aus Deutschland werden im Ausland günstig verkauft

Seitdem sich gebrauchte Dieselfahrzeuge in Deutschland nur noch schwer verkaufen lassen, werden sie verstärkt ins europäische Ausland exportiert. „Für Schnäppchenjäger im Ausland gibt es aktuell eine gute Möglichkeit, günstig an einen Diesel zu kommen“, sagte Christian Kille vom Institut für angewandte Logistik an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt, der Daten des statistischen Bundesamtes ausgewertet hat. Der Studie zufolge ist die Ausfuhr gebrauchter Diesel im vergangenen Jahr um 20,5 Prozent auf knapp 240.000 Fahrzeuge gestiegen. Die meisten Wagen gingen nach Italien (22.045), Österreich (21.307) und Frankreich (16.527). In Deutschland können ältere Dieselfahrzeuge nur noch mit hohen Preisabschlägen weiterverkauft werden. Die höchsten Steigerungsraten im Vergleich zu 2016 erzielten Kroatien (+89,6 Prozent) und die Ukraine (+136 Prozent). Beide Länder gelten als Absatzmärkte für ältere Modelle, während neuere und teurere Fahrzeuge vorzugsweise nach West- und Südeuropa gehen.

BMW ruft 324.000 Fahrzeuge wegen defekter Abgasrückführung zurück

BMW ruft in Europa 323.700 und in Deutschland 96.300 Dieselfahrzeuge zurück in die Werkstätten, um ein möglicherweise defektes Abgasrückführungsmodul zu prüfen und auszutauschen. Wegen des Defekts sind in Südkorea in diesem Jahr nach Angaben der Regierung schon in mehr als 30 Fällen Motoren in Brand geraten und die Autos in Flammen aufgegangen. Das Unternehmen registriert diese Brandfälle in Korea seit 2016. Über die Zahl der Fälle in Europa macht BMW keine Angaben. In Südkorea hat der Autohersteller freiwillig rund 106.000 Diesel-Fahrzeuge in die Werkstatt beordert. In Europa werde der Vorgang in Kürze beginnen, bestätigte ein Sprecher der BMW-Gruppe. In den kommenden Tagen würden die Händler informiert, die die betroffenen Kunden anschreiben sollen. Die Kosten der Rückrufe für das Unternehmen seien noch unklar, sagte der Sprecher. Er schätzte die Aufwendungen für den Austausch des Moduls auf einen „niedrigen dreistelligen“ Eurobetrag. Bei 500 Euro pro Fahrzeug würde der Rückruf BMW in Europa rund 160 Millionen Euro kosten. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht eine ältere Version des Modells 520d. In rund der Hälfte der Brandfälle in Südkorea in diesem Jahr gerieten Motoren dieses Modells in Brand. Nach Darstellung des Unternehmens gründen die Feuer in einer Leckage von Kühlflüssigkeit im Abgasrückführungssystem. Zu heiße Gase könnten dann dazu führen, dass sich Schmutz- und Ölrückstände entzündeten. Mit der Abgasrückführung reduziert BMW den Ausstoß von Stickoxiden von Dieselmotoren. Die Sprecherin nannte diesen Defekt den Hauptgrund für die Brandvorfälle.

8.000 VW-Fahrzeuge parken am BER

Mehrere hundert noch nicht zugelassene VW-Autos parken am BER. Sie wurden auf Lastwagen nach Schönefeld gebracht, wie ein Flughafensprecher auf Anfrage mitteilte. In den nächsten Wochen sollen weitere Neuwagen folgen. VW hat rund 8.000 Stellplätze in drei Parkhäusern und auf drei Freiflächen am Terminal gemietet. Mit den bislang ungenutzten Parkplätzen verdient der Flughafen nach eigenen Angaben in diesem Jahr gut eine Million Euro. Die Fahrzeuge sind noch nicht zugelassen, weil vom 1. September an das neue Abgastestverfahren WLTP gilt, der Konzern kommt mit den Messungen jedoch nicht hinterher.

Initiative will Hardware-Nachrüstung selbst umsetzen

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) lehnt eine Hardware-Nachrüstung für ältere Dieselautos nach wie vor ab. Eine neue, in Berlin vorgestellte Initiative will das schaffen, was Politik und Industrie bisher versäumt haben. Sie will eine technische Nachrüstlösung anbieten, mit der die alten Dieselfahrzeuge die gültige Abgasnorm Euro-6d erfüllen. Zugleich wollen sie dafür sorgen, dass die Kosten für diese Nachrüstung vor Gericht von den Herstellern zurückgefordert werden können. Unter dem Motto „Was die Politik nicht schafft, gelingt uns“ hat sich eine Initiative aus Zivilgesellschaft und Teilen der Industrie formiert. Dazu gehören der ehemalige Abteilungsleiter des Umweltbundesamts, Axel Friedrich, der ehemalige Richter und Landtagsabgeordnete Hartmut Bäumer (Bündnis 90/Die Grünen), das Aktionsbündnis Gerechtigkeit im VW-Abgasskandal und die auf Abgastechnik spezialisierte Firma Twintec Baumont aus Königswinter. Für die Nachrüstlösung, die im Wesentlichen aus einem sogenannten SCR-Katalysator samt Harnstofftank besteht, ist eine Teile-ABE (Allgemeine Betriebserlaubnis) beim Kraftfahrtbundesamt (KBA) beantragt, sie dürfte in einigen Wochen genehmigt werden. „Diese Technik senkt die Stickoxidemissionen um mindestens 90 Prozent, bei unseren Messungen waren es sogar mehr als 95 Prozent“, sagt Axel Friedrich. Zunächst müssen die Fahrzeughalter die Nachrüstung vorfinanzieren. Nach aktueller Kalkulation kostet die Technik 1.479 Euro, dazu kommen Einbaukosten (ca. 300 Euro) und die Mehrwertsteuer. „Insgesamt entstehen voraussichtlich Kosten von knapp 2.000 Euro“, sagt Friedrich. Sobald jedoch die Nachrüstung erfolgt und bezahlt ist, sollen die Kosten auf dem Klageweg von den jeweiligen Fahrzeugherstellern zurückgefordert werden. In den meisten Fällen soll die ohnehin anhängige Klage auf Rückerstattung des Kaufpreises umgewandelt werden in Klagen auf Rückerstattung der Nachrüstkosten. „Im Grunde handelt es sich dann um eine typische Nachbesserung, wie sie auch im Schadensersatzrecht vorgesehen ist“, sagte ein Anwalt der Initiative. Das KBA hat bereits seine Kooperationsbereitschaft signalisiert, die nötigen Genehmigungen zum Einbau der Nachrüsttechnik sind auf dem Weg. Das Land Baden-Württemberg hat zugesagt, Einfahrgenehmigungen für die Fahrverbotszonen für die Dieselfahrzeuge zu erteilen, die nachgerüstet wurden.