Abgasskandal - Wochenrückblick vom 25.6. – 1.7.2018


Der ehemalige Audi-Manager Wolfgang Hatz kam gegen Zahlung der Kaution wieder aus dem Gefängnis frei, der BER soll als Parkplatz für VW-Dieselfahrzeuge dienen, VW drosselt die Produktion wegen der Abgasregeln, der Verwendungszweck der VW-Milliarde wurde beschlossen, VW-Chef Diess kritisierte die Festnahme Stadlers und möglicherweise könnte es bald eine Batteriefabrik in Deutschland geben.

Ex-Audi-Manager Hatz gegen Kaution frei

Der ehemalige Audi-Manager Wolfgang Hatz, der aufgrund einer angeblichen Verwicklung in die Abgasaffäre Ende September 2017 in München in Untersuchungshaft kam, ist wieder frei. Das entschied das OLG München. Die Staatsanwaltschaft München II wirft dem langjährigen Manager bei Audi, Porsche und VW vor, in seiner Zeit im VW-Konzern von Manipulationen bei der Abgasreinigung erfahren zu haben. Er war wegen Flucht- und Verdunklungsgefahr in Untersuchungshaft und hatte dagegen schon erfolglos Beschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht eingelegt. Hatz Anwalt sagte, es sei „aus einer Reihe von Gründen dringend geboten“ gewesen, dass das OLG den Haftbefehl gegen Hatz nun außer Vollzug setze. Das OLG hat dem Vernehmen nach eine Kaution von drei Millionen Euro festgesetzt. Zudem muss Hatz seinen Reisepass abgeben, er darf Deutschland nicht verlassen und auch keinen Kontakt zu Mitbeschuldigten oder Zeugen in der Abgasaffäre aufnehmen.

BER als Parkplatz für VW-Dieselfahrzeuge

Ab dem ersten September dürfen nur noch Autos zugelassen werden, die das neue Testverfahren WLTP durchlaufen haben. Der neue Zyklus stellt schärfere Anforderungen sowohl im Zulassungsverfahren auf dem Prüfstand wie im realen Alltagsbetrieb. VW produziert zahlreiche Autos vor, die so gebaut sind, dass sie das Prüfverfahren schaffen. Allerdings fehlen derzeit noch die Freigaben für viele dieser Modelle durch das Kraftfahrtbundesamt (KBA). Daher können sie nicht verkauft, sondern müssen geparkt werden. Zu diesem Zweck hat der VW-Konzern auf dem Gelände des noch nicht eröffneten Großflughafens BER in Berlin Flächen angemietet, um Autos mit Lieferverzögerungen darauf abzustellen. Neben dem BER nutzt VW derzeit auch ein konzerneigenes Testgelände in Ehra-Lessien bei Wolfsburg. „Wir prüfen die Anmietung weiterer Flächen“, sagte ein Sprecher des Konzerns.

VW drosselt Produktion wegen neuer Abgasregeln

VW lässt wegen der neuen Abgasmesszyklen nach den Werksferien die Produktion im Stammwerk in Wolfsburg an ein bis zwei Tagen in der Woche ruhen. Diese Maßnahme werde unmittelbar nach den Werksferien Ende Juli eingeführt und sei bis Ende September geplant, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens. „Die Umstellung auf den neuen Prüfzyklus WLTP ist ein Kraftakt und hat, wie bereits angekündigt, von August an vorübergehende Auslastungslücken in der Produktion zur Folge.“ Auch andere Werke seien davon betroffen. So seien am Standort in Zwickau für das dritte Quartal teils vereinzelte Schließtage angesetzt, teils entfielen auch einzelne Schichten, hieß es. Die Fahrweise der Komponentenwerke solle an die Anforderungen der jeweils zu beliefernden Fahrzeugwerke angepasst werden.

Verwendung der VW-Milliarde beschlossen

In der Diskussion um die Verwendung der VW-Straf-Milliarde ist eine Entscheidung gefallen. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) teilte mit, dass jeweils 350 Millionen Euro für den Ausbau schneller Internetverbindungen und Investitionen in Krankenhäuser und Hochschulen geplant seien. Je 100 Millionen Euro seien zudem für die Sanierung von Sportstätten, den Schuldenabbau und einen Wirtschaftsförderfonds zugunsten des Klimaschutzes, der Luftreinhaltung und der Verkehrswende vorgesehen. „Wir haben uns auf einen Kurs verständigt, der maßvoll ist und sich an den Zukunftsanforderungen an das Land orientiert“, sagte Weil zur Verteilung des Geldes.

VW-Chef Diess kritisiert Stadlers Festnahme

Der Vorstandsvorsitzende des VW-Konzerns Herbert Diess kann die Festnahme des inzwischen beurlaubten Leiters von Audi nur schwer nachvollziehen. „Das war für mich in der Tat ein Riesenschock“, sagte Diess. „Der Vorstandschef einer großen Automarke in U-Haft: Das gab es noch nie.“ Diess stellte sich demonstrativ hinter Stadler und verteidigte dessen Management-Qualitäten: Er habe „Rupert Stadler als Problemlöser erlebt“, sagte Diess. „Als Audi-Chef, der vieles aufgeklärt hat. Für mich ist die Festnahme daher auch nur schwer nachvollziehbar.“ Auf die Frage, ob er sich eine Rückkehr von Stadler an die Spitze von Audi vorstellen könne, sagte Diess: „Es kommt auf die Fakten an. Sollten die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zutreffen, ist die Entscheidung klar.“ Eine Führungskrise sieht Diess bei Audi derzeit nicht. „Bei uns ist das Geschäft so: Wenn der Vorstandsvorsitzende einige Zeit weg ist und das restliche Team ist da, dann merken sie da noch nicht viel“, sagte er. „Dauert es zu lange, dann wird das natürlich zu einem Problem. Aber ich bin überzeugt, dass wir da wieder rauskommen.“

Batteriefabrik in Deutschland?

BMW will die Batteriezellen für die Elektroautos der kommenden Generation beim chinesischen Batterieriesen CATL ordern. „Wir haben gerade einen Milliardenauftrag an den chinesischen Batterieproduzenten CATL vergeben“, sagte Vorstandschef Harald Krüger. Mit CATL habe BMW sehr früh eine Partnerschaft begonnen und sich auch für den Bau eines Werkes in Europa eingesetzt. „CATL wird ein Werk in Europa errichten“, sagte er weiter. Seit mehreren Wochen ist neben Ungarn und Polen auch Thüringen als Standort im Gespräch. Asiatische Konzerne gelten bei der Batteriezellenfertigung als führend, deutsche Autobauer setzen eher auf die Kompetenz beim Zusammensetzen der Zellen zu Batteriepacks für die künftigen Elektroautos. Volkswagen testet darüber hinaus die Batteriezellfertigung in einem Pilotbetrieb in Salzgitter.