Abgasskandal - Wochenrückblick vom 23.10. – 29.10.2017


Der Autogipfel des Handelsblatts fand statt, bei Porsche startete der Rückruf manipulierter Fahrzeuge, VW strebte den Gebrauchtwagenmarkt an und der Bundesrechnungshof stellte das Ende des Dieselprivilegs zur Debatte.

Denkanstöße beim Autogipfel

Auf dem Autogipfel des Handelsblatts äußerte sich VW-Chef Matthias Müller zur Zukunft der Automobilindustrie. Dabei schlug er unter anderem die Einrichtung eines Infrastrukturministeriums vor, das den Aufbau neuer Netze für Energie und Information koordinieren solle. Die Kompetenzen seien aktuell über viele Ministerien verteilt. Man müsse zu einer Planung kommen, die verschiedene Industriebranchen mit einschließe, sagte er. Nicht nur die Autobranche gehöre dazu, sondern auch die Energieindustrie, IT und Digitalwirtschaft, sagte er weiter. Der Vorschlag Müllers fand Zuspruch in der Politik, so sprach der CDU-Wirtschaftsrat von einem „sehr interessanten Vorschlag“ und Dorothee Bär (CSU) von einer „nicht abwegigen Idee.“ Auch die Grünen reagierten positiv, Dieter Janecek, Sprecher des Realo-Flügels der Grünen-Bundestagsfraktion sagte, der Ansatz, die Kompetenzen von Wirtschaft und Infrastruktur zu bündeln, sei grundsätzlich begrüßenswert. Das bisherige „Kompetenzwirrwarr“ habe dem Standort Deutschland geschadet.

Rückrufstart bei Porsche

Das Bundeskraftfahrtamt hat das zur Prüfung von Porsche vorgelegte Softwareupdate freigegeben. Nun werde Porsche die etwa 21.500 betroffenen Porsche Cayenne zurück in die Werkstätten rufen. Wahrscheinlich vom 6. November an werde Porsche die Kunden informieren und diese bitten, einen Werkstatttermin zu vereinbaren, teilte das Unternehmen mit. Das Update dauere etwa eine Stunde und habe keinerlei Auswirkungen auf die Lebensdauer des Motors oder des Abgasnachbehandlungssystems. Nach Bekanntwerden der Betroffenheit hatte Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) ein Zulassungsverbot für die Fahrzeuge verhängt. Dieses wurde nun durch das Kraftfahrtbundesamt aufgehoben.

VW strebt Gebrauchtwagenmarkt an

Volkswagen startete die Online-Plattform „HeyCar“, mit der das Unternehmen den Online-Gebrauchtwagenhändlern den Kampf ansagen möchte. Vermutungen von Ananlysten zufolge möchte VW damit seinem eigenen Gebrauchtwagengeschäft auf die Sprünge helfen. Über das neu geschaffene Portal können Händler gebrauchte Wagen anbieten. Bisher werden 90 Prozent der Onlineverkäufe über mobile.de und autoschout24.de abgewickelt, dies soll sich nach Vorstellung des Unternehmens nun ändern. Die gebrauchten Dieselautos des Konzerns sind aufgrund des Abgasskandals schwer zu vermitteln, deshalb wird vermutet, dass durch das Portal der Absatz unterstützt werden soll. Volkswagen dementierte jedoch solche Vermutungen. Anders als andere Portale will VW sein Angebot von Werbung und platzierten Inseraten freihalten. Über das System können auch Händler anderer Marken Fahrzeuge anbieten.

Bundesrechnungshof: Ende des Dieselprivilegs?

Der Bundesrechnungshof mahnte in seinem aktuellen Bericht zur finanzwirtschaftlichen Entwicklung ein Ende des Dieselprivilegs an. Momentan erhält der Staat pro Liter Benzin 65,45 Cent, pro Liter Diesel lediglich 47,04 Cent. Diese Steuervergünstigung, wurde in den 1990er Jahren eingeführt, um EU-Richtlinien umzusetzen und eine geplante Umsteuerung der Verkehrsteilnehmer auf den Schienenverkehr zu bewirken. Der Bundesrechnungshof schreibt dazu in seinem Bericht, ob diese Gründe auch heute noch als stichhaltig anzusehen seien, erscheine zweifelhaft. Die Auswirkungen von Diesel auf Gesundheit und Umwelt seien ebenso groß wie die des Kraftstoffs Benzin. Insofern stelle sich die Frage, weshalb der eine gegenüber dem anderen privilegiert würde. Die Grünen haben die gleiche Besteuerung von Diesel und Benzin zur Bedingung für eine potentielle Regierungsbeteiligung gemacht.