Abgasskandal - Wochenrückblick vom 22.1. – 28.1.2018


Volkswagen ließ Abgasversuche an Menschen und Affen durchführen, die Deutsche Umwelthilfe (DUH) scheiterte mit Ihrer Klage in Düsseldorf, Porsche muss den Macan nachrüsten, VW dünnt sein Händlernetz aus und der VW-Aufsichtsrat Pötsch sieht das Ladenetz als Hauptproblem für E-Autos.

Abgasversuche an Menschen und Affen

Deutsche Autohersteller haben Abgasversuche mit Menschen finanziert, um zu belegen, dass Dieselfahrzeuge keine Gesundheitsschäden verursachen. Von der Europäischen Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor (EUGT) wurde eine Kurzzeit-Inhalationsstudie mit Stickstoffoxid bei gesunden Menschen gefördert. Die EUGT wurde von VW, Daimler, BMW und Bosch gemeinsam finanziert und 2017 aufgelöst. Laut EUGT-Report wurde die Wirkung unterschiedlicher NO2-Konzentrationen in der Atemluft auf 25 gesunde Versuchspersonen in Deutschland 2013 in der Uniklinik Aachen untersucht. Dabei habe „keine Reaktion auf das inhalierte NO2 nachgewiesen“ werden können. Die Probanden verbrachten bei dem Versuch jeweils rund drei Stunden in einem rund 40 Quadratmeter großen Versuchsraum, in den das Gas eingeleitet wurde. Institutsleiter Thomas Kraus erklärte, die Konzentrationen seien vergleichbar mit der in der Umwelt vorhandenen gewesen. Bei geplanten Studien mit Menschen muss grundsätzlich die Ethikkommission zustimmen. Die Zustimmung sei nachvollziehbar, wie ein Sprecher des Uni-Klinikums meinte: Wenn Probanden einem Stoff unterhalb des Grenzwertes ausgesetzt werden, sei das per Definition nicht problematisch. In einem modellhaften Versuch sei es durchaus statthaft, Menschen einmal einem solchen Einfluss auszusetzen. Dass Menschen absichtlich giftigen Stoffen ausgesetzt werden, um deren Wirkung zu erforschen, ist laut einem Experten im Umweltbundesamt „ungewöhnlich" und eher selten. „Im Umwelt-Bereich ist es völlig unüblich", sagte der Leiter der Abteilung Umwelthygiene, Wolfgang Straff. Anders sei es vielleicht im Bereich Arbeitsschutz. „Wir brauchen solche Studien nicht", sagte Straff: „Es ist klar, dass Stickoxid eine schädliche Wirkung hat."

Die Deutschen Autohersteller haben zudem auch Tierversuche mit Affen finanziert. Der Versuch wurde 2014 von einem Labor im amerikanischen Albuquerque ausgeführt. Die Studie sollte zeigen, dass von neueren Dieselfahrzeugen keine Gefahr ausgeht und damit die Clean-Diesel-Kampagne der Konzerne unterstützen. Bei dem Experiment mussten zehn Affen in einer luftdichten Kammer vier Stunden lang die Abgase eines VW-Beetle atmen. In Auftrag gegeben wurde auch diese Studie von der EUGT. VW entschuldigte sich inzwischen für die Versuche: „Wir sind der Überzeugung, dass die damals gewählte wissenschaftliche Methodik falsch war.“ VW distanzierte sich von allen Formen der Tierquälerei und entschuldigte sich für das Vorgehen. Aus einer E-Mail des VW-Werkarztes Spallek geht zudem hervor, dass man die Inhalationsstudie eigentlich mit Menschen hatte durchführen wollen, jedoch keine Haftung für Gesundheitsschäden der Studienteilnehmer übernehmen wollte. Das Experiment sei „in Echtzeit“ von dem mittlerweile wegen Betrug verurteilten VW-Ingenieur James Liang überwacht worden, das sei „sehr ungewöhnlich“ gewesen, gab Studienleiter Jacob McDonald an. Der verwendete VW-Beetle war mit der umstrittenen Abschalteinrichtung ausgestattet, die in dem Fahrzeug standardmäßig eingeschaltet war. Dem Bundestags-Untersuchungsausschuss zum VW-Dieselskandal waren die Abgastests an Tieren schon seit längerem bekannt. Schon auf dessen Sitzung am 8. September 2016 hatte ein bekannter Toxikologe mehrfach davon berichtet, dass es entsprechende Tests gegeben hat. Keiner der informierten Politiker hat jedoch daran Anstoß genommen. Das geht aus dem stenografischen Protokoll der Sitzung hervor.

Umwelthilfe scheitert mit Klage in Düsseldorf

Die Deutsche Umwelthilfe ist mit ihrer Klage gegen das Kraftfahrtbundesamt (KBA) vor dem Düsseldorfer Verwaltungsgericht gescheitert. Die Straßenverkehrsämter müssen die vom Abgasskandal betroffenen Diesel laut Urteil des Düsseldorfer Verwaltungsgerichts nicht stilllegen. Die Richter stuften die Klage als unzulässig und unbegründet ein. Die DUH habe in dieser Frage schon keine Klagebefugnis. Zur Begründung einer Klagebefugnis sei grundsätzlich notwendig, dass ein Kläger eine Verletzung in eigenen Rechten geltend mache. Daran fehle es, da der Umweltverband allein Verstöße gegen objektiv-rechtliche Vorschriften des Umweltrechts rüge. Zudem sei die Zulassung der VW-Diesel-Modelle trotz Abschalteinrichtung rechtmäßig, gab das Gericht bekannt. Die vom KBA angeordnete Nachrüstung durch ein Software-Update sei nicht zu beanstanden. Für die DUH kündigte deren Geschäftsführer Jürgen Resch an, Revision gegen das Urteil direkt vor dem Bundesverwaltungsgericht einzulegen: „Das Urteil ist enttäuschend, aber wir sind uns absolut sicher, dass es keinen Bestand haben wird.“ Identische Klagen der DUH laufen derzeit in neun weiteren deutschen Großstädten.

Porsche muss Macan nachrüsten

Der Sportwagenbauer Porsche muss sein Geländewagenmodell Macan mit Sechszylinder-Dieselmotor wegen Unregelmäßigkeiten am Abgassystem erneut in die Werkstätten rufen. „Wir stehen vor einem weiteren Software-Update, das wir derzeit mit dem KBA abstimmen“, sagte ein Sprecher. Es droht zudem ein Zulassungsverbot, dass jedoch noch verhindert werden kann, wenn Porsche in der Lage ist, aufzuzeigen, dass ein Software-Update zur Behebung des Mangels ausreicht. Dann könnte das KBA es bei einem Zwangsrückruf belassen. Die betroffenen Motoren stammen von der Konzernschwester Audi. 2016 hatte Porsche den Macan bereits für eine „freiwillige Serviceaktion“ in die Werkstätten gerufen. Auch damals ging es um eine umstrittene Abgasfunktion, die mit einem Software-Update entfernt wurde. Von einem Rückruf werden in Europa etwa 52.500 Macan-Modelle betroffen sein, 14.000 davon in Deutschland.

VW dünnt Händlernetz aus

Die Volkswagen-Konzernmarke VW Pkw verkleinert ihr Händlernetz in Europa mit Blick auf E-Mobilität und Vernetzung. Ziel sei, den Handel als eine „elementare Schnittstelle zu den Kunden zu erhalten", sagte Marken-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann nach einer Händlerkonferenz. Das Händlernetz in Deutschland werde deutlich abgespeckt, in Europa werde es allerdings „keine signifikante Verringerung" geben. Die Verträge mit den europaweit rund 3.500 Handelspartnern würden zum Ende des ersten Quartals gekündigt, neue Verträge sollten nach zweijähriger Kündigungsfrist ab April 2020 gelten. Mit den neuen Verträgen solle erreicht werden, dass die Händler eine "klare Perspektive bei VW" erhielten, erklärte Stackmann. "Die Veränderungen sind dringend notwendig, um Zukunftsfähigkeit zu erreichen", betonte der Manager.

VW-Aufsichtsrat: Ladenetz ist Hauptproblem für E-Autos

Volkswagen-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch sieht für die Elektromobilität noch einige Hindernisse auf dem Weg zu einem Durchbruch in Deutschland. Das nach wie vor zu dünne Ladenetz sei dabei die größte Schwachstelle, sagte er in Wolfsburg. Daher habe sich Volkswagen mit anderen Herstellern zusammengetan, um entlang der Autobahnen viele Schnellladestationen einzurichten. Ein hinreichend hohes Tempo beim Ladevorgang werde künftig ein entscheidender Faktor für Besitzer von E-Fahrzeugen sein. Zum Auftanken müsse eine „Kaffeepause“ zukünftig reichen. Kritisch sei bei der E-Mobilität außerdem die Reichweite. „Wir brauchen Autos, die auf 500 Kilometer und mehr kommen", sagte Pötsch. Er gab sich in dieser Frage mittelfristig optimistisch: „Bis 2020 bekommen wir das hin." Benzin- und Dieselmotoren verteidigte Pötsch gegenüber alternativen Antrieben: „Der Verbrennungsmotor wird für viele Kunden noch lange Vorteile haben."