Abgasskandal - Wochenrückblick vom 16.10. – 22.10.2017


Audimanager Wolfgang Hatz wurde weiter wegen Verdunkelungsgefahr festgehalten, VW startete eine Elektro-Offensive, rückte den asiatischen Markt in den Fokus und kündigte an, vor dem erfolgreichsten Jahr in seiner Geschichte zu stehen, Daimler zeigte sich als Profiteur des Abgasskandals und Gebrauchtwagenhändler litten stark unter dem Dieselgate.

Verdunkelungsgefahr bei Audi-Manager Hatz

Der ehemalige Audi-Manager Wolfgang Hatz sitzt weiter in Haft, Grund dafür ist mutmaßlich eine bestehende Verdunkelungsgefahr. Hatz hatte den VW-Konzern nach Bekanntwerden der Abgasproblematik verlassen müssen, durch seinen Aufhebungsvertrag standen ihm dafür jedoch rund 13 Millionen Euro zu. Doch seit Anfang Oktober 2017 sitzt Hatz in Untersuchungshaft, da die Staatsanwaltschaft München II den Verdacht hegt, Hatz könne Informationen beiseiteschaffen, die für ein Ermittlungsverfahre wichtig seien. Die Staatsanwaltschaft will sich offiziell zwar nicht zu den Gründen der Untersuchungshaft äußern, jedoch bestätigten mehrere Involvierte, dass Hatz wegen Verdunkelungsgefahr in Untersuchungshaft sitze. Hatz soll sich mit mehreren Personen des Audi-Umfeldes getroffen und bezüglich möglicherweise bevorstehenden Ermittlungen besprochen haben.

VW: Elektro-Offensive und asiatischer Markt im Fokus

Der Volkswagen-Konzern hat seine eigene Elektro-Offensive ausgerufen. Allein die Marke Volkswagen werde bis 2022 voraussichtlich vier neue Elektro-Modelle auf den Markt bringen. Jedoch sei noch unklar, wo die batteriegetriebenen Modelle produziert werden sollten, gab der Chef des VW-Betriebsrats, Bernd Osterloh, an. Er bevorzuge die Lösung, alle E-Autos zunächst in einem Werk produzieren zu lassen. Würde die Fertigung der Elektroautos zu Beginn auf ein Werk fokussiert, erleichtere dies die Qualität des Produktionsanlaufs. Momentan ringen Betriebsrat und VW-Vorstand um den Einstieg in die Elektrofertigung. In den kommenden Jahren sollen in dem Bereich Milliarden investiert werden und viele Autofabriken würden das Geld zur Standortsicherung gern bekommen. Im November wird der Aufsichtsrat endgültig über die Verteilung auf die Standorte entscheiden.

Zudem bereitet VW eine Modelloffensive für Schwellenländer vor. Mit preisgünstigen Modellen sollen die Absätze vor allem in China und Indien angekurbelt werden. Es sollen zwei neue Modellgruppen im unteren Preissegment entwickelt werden. Der Preis soll besonders durch niedrigere Produktionskosten in den Ländern mit einer Produktion vor Ort und abgespeckten europäischen Standards günstig gehalten werden. In der Vergangenheit wurden schon häufiger entsprechende Pläne bei Volkswagen vorbereitet, der Durchbruch gelang damit jedoch nie. In Indien werden momentan weniger als drei Millionen Autos im Jahr verkauft, weniger als in Deutschland. Jedoch erwartet die Automobilbranche, dass Indien in Zukunft zum drittgrößten Automarkt der Welt aufsteigt. Mit seinem geringen Motorisierungsgrad und der hohen Bevölkerungszahl biete Indien auf lange Sicht gute Chancen, sagte der Autoanalyst Arndt Ellinghorst von der Beratungsfirma Evercore ISI. Den Einstieg in Indien soll die VW-Tochter Skoda übernehmen, die Chancen für Skoda wachsen, da die Zulassungsvorschriften verschärft und Sicherheitsstandards aus Europa werden zunehmend auf den Subkontinent übertragen.

VW auf Erfolgskurs: bestes Jahr in der Geschichte

Zudem gab VW bekannt, dass der Konzern in diesem Jahr das beste Jahr in seiner Geschichte haben werde. Matthias Müller, Volkswagenchef, sieht den Autobauer auf Erfolgskurs. Nächstes Jahr werde es sogar noch besser, sagte er. Die Investitionen in neue Technologien müssten nicht unter den Strafzahlungen des Abgasskandals leiden. „Die 25-Milliarden-Euro-Rechnung tut uns weh. Aber wir können haushalten.“ Der öffentliche Druck durch die Dieselaffäre habe bei Volkswagen einiges schneller ins Rollen gebracht, der Konzern habe in den vergangenen zwei Jahren mehr in Angriff genommen, als in den zehn Jahren zuvor, sagte Müller weiter. „Man muss gestehen, dass der Dieselskandal vielleicht zum richtigen Zeitpunkt kam, um uns aufzuwecken.“

Daimler als Profiteur des Abgasskandals

Trotz des Dieselskandals verkaufen sich Autos der Marke Mercedes bestens und Daimler fährt einen Rekord nach dem anderen ein. Nun hat sich der Konzern im Rahmen des Kartellverdachts gegen die deutschen Autobauer bei der EU-Kommission als Kronzeuge gemeldet. Finanzvorstand Bodo Uebber erklärte, dass das Unternehmen einen Kronzeugenstatus und damit Bußgeldimmunität beantragt habe. Bei der EU-Kommission läuft derzeit eine Voruntersuchung dazu, ob sich VW, BMW und Daimler in den 1990er Jahren unzulässig über Technik, Kosten, Zulieferer, Märkte und Strategien abgesprochen haben. Kronzeugen gehen in Kartellverfahren in der Regel straffrei aus.

Gebrauchtwagenhändler leiden stark unter Dieselgate

Etwa 70 Prozent der Gebrauchtwagen sind Dieselfahrzeuge. Diese verkaufen sich momentan entweder nur noch mit großen Abschlägen oder gar nicht. Das sorgt bei vielen Gebrauchtwagenhändlern für Ärger, denn jeder Standtag verursacht Standschäden, es entstehen Standkosten und Zinskosten. Pro Tag kostet ein Dieselfahrzeug den Handel im Schnitt 26 Euro, fand die Deutsche Automobil Treuhand (DAT), ein Unternehmen, das vom Verband der Automobilindustrie gegründet wurde und Kraftfahrzeugdaten weltweit erhebt und aufbereitet, heraus. Zusätzlich stellten sie fest, dass jeder Diesel im Schnitt über 100 Tage bei einem Händler steht. Damit ist die Standzeit deutlich länger als noch vor einem Jahr (88 Tage),  und 21 Tage länger als bei einem durchschnittlichen Benziner. Folglich kostet ein Dieselfahrzeug den Händler allein dadurch schon 2.600 Euro. Die Autohäuser geben an, die Verkaufszahlen seien komplett weggebrochen.