Abgasskandal - Wochenrückblick vom 15.10. – 21.10.2018


Bei Opel fand eine Razzia statt, das Bundesverkehrsministerium stellte den Rückruf von 100.000 Opel-Dieselfahrzeugen in Aussicht, Audi zahlte 800 Millionen Euro Bußgeld, der Verkehrsclub Deutschland (VCD) lobte die Sauberkeit der neuen Diesel, VW bietet eine Prämie für das Verschrotten von Altfahrzeugen an und der Autoclub Europa (ACE) warnte vor weiteren Ausnahmen bei Dieselfahrverboten.

Razzia bei Opel

Die Geschäftsräume des Autoherstellers Opel wurden im Zusammenhang mit einem konkreten Betrugsverdacht bei Dieselautos von Ermittlern durchsucht. Beamte der Staatsanwaltschaft Frankfurt und Polizisten des Landeskriminalamtes Hessen haben Räume in der Firmenzentrale in Rüsselsheim sowie im Teilewerk Kaiserslautern durchsucht. Die Frankfurter Oberstaatsanwältin Nadja Niesen erklärte, es gäbe einen Anfangsverdacht des Betrugs, da Opel möglicherweise Dieselfahrzeuge mit manipulierter Abgassoftware in den Verkehr gebracht habe. Im Zentrum der Ermittlungen stehen die Modelle Zafira, Cascada und Insignia mit der eigentlich aktuellen Abgasnorm Euro 6. Das Unternehmen teilte mit, es kooperiere vollumfänglich mit den Behörden.

Rückruf von 100.000 Opel-Dieselfahrzeugen bevorstehend

Das Bundesverkehrsministerium kündigte an, dass das Kraftfahrtbundesamt in Kürze den Rückruf von 100.000 Opel-Dieselfahrzeugen der Modelle Zafira, Cascada und Insignia anordnen werde, die über eine illegale Abschalteinrichtung verfügen sollen. Die Fahrzeuge müssten in einen ordnungsgemäßen Zustand gebracht werden. Das Ministerium erklärte, bisherige  Maßnahmen habe Opel bisher verschleppt. Das Ministerium teilte weiter mit, Opel habe längst notwendige Softwareupdates und auch die Aufklärung des Sachverhalts immer wieder verzögert. Von der Rückrufaktion sind Fahrzeuge der Baujahre 2012, 2014 und 2017 betroffen. Der betroffene manipulierte Motor stammt vom früheren Eigentümer General Motors, er soll am Standort Turin in Italien entwickelt worden sei. Sollte das zutreffen, bekämen die Untersuchungen eine internationale Dimension. Nach Ministeriumsangaben steht der Rücktritt „nunmehr kurz bevor“.

Audi zahlt 800 Millionen Euro Bußgeld

Audi zahlt wegen der Dieselmanipulation ein Bußgeld in Höhe von 800 Millionen Euro.  Die VW-Tochtergesellschaft teilte mit, das von der Staatsanwaltschaft München II eingeleitete Verfahren gegen Audi sei damit abgeschlossen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wird hingegen weiter gegen 20 Beschuldigte ermittelt, mit dem Bußgeld sei lediglich ein anhängiges Ordnungswidrigkeitsverfahren abgeschlossen worden. Audi will keine Rechtsmittel einlegen und akzeptiert das Bußgeld. Der Konzern teilte mit: „Die Audi AG bekennt sich damit zu ihrer Verantwortung für die vorgefallenen Aufsichtspflichtverletzungen.“ Es handelt sich bei dem Bußgeld um die zweithöchste Strafzahlung dieser Art in Deutschland. Im Juni hatte VW eine Milliarde Euro zahlen müssen. Angesichts des Bußgelds senkte Audi seine finanziellen Ziele für das laufende Jahr. „Unter Einbeziehung der Sondereinflüsse aus dem Bußgeldbescheid wird der Audi-Konzern wesentliche finanzielle Spitzenkennzahlen aus seiner Prognose für das Geschäftsjahr 2018 deutlich unterschreiten“, teilte der Konzern mit.

VCD lobt Sauberkeit neuester Diesel

Der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD) rät erstmals seit drei Jahren wieder zum Kauf eines Dieselautos. Der Verein betitelt seine Auto-Umweltliste: „Neue Diesel-Pkw schneiden in Labortests gut ab und sind auf der Straße sauber“. Der Ausstoß von Stickoxiden liege bei Fahrzeugen, die die Abgasnorm Euro 6d-temp erfüllen, deutlich niedriger als bei älteren Modellen. Dies gelte insbesondere für reale Fahrbedingungen auf der Straße. „Die Abgaswerte einzelner Fahrzeuge liegen sogar auf dem Niveau der Werte eines Benziners.“ Von Dieselfahrzeugen mit älterer Abgasnorm wie Euro 6c rät der VCD jedoch ab. „Der große Skandal ist, dass noch immer solche Drecksschleudern verkauft werden“, sagte Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD. 21 Dieselautos empfiehlt der VCD, die neben geringen Stickoxid-Werten auch wenig Treibstoff verbrauchen. Am besten schneidet der Peugeot 308 SW Blue HDi 100 ab. Von den deutschen Herstellern ist nur BMW auf der Liste vertreten. Zwei 2er-Modelle (Active Tourer 216d 6-Gang Manuell und Gran Tourer 216d Manuell) und ein 3er-Modell (320d Efficient Dynamics Edition Manuell) werden vom VCD empfohlen. Dem Verein fehlten jedoch für die Erstellung der Liste Daten etlicher Hersteller, darunter VW. Daher konnten nicht alle Fahrzeuge bewertet werden. Grund für den Datenmangel war die Umstellung sämtlicher Verbrauchswerte auf das WLTP-Prüfverfahren. Der VCD empfahl neben den 21 Dieselmodellen auch zahlreiche Benziner, Hybridwagen und Elektroautos. Der Verband der Automobilindustrie sieht in der neuen Liste einen „Beitrag zur Versachlichung der Dieseldebatte“.

VW will Altfahrzeuge verschrotten

VW kündigte an, bundesweit alte Diesel mit den Abgasnormen Euro 1 bis 4 gegen Rabatte zurückzunehmen und zu verschrotten. Der Konzern teilte mit, es würden Modelle beliebiger Hersteller zurückgenommen, im Gegenzug würde der Kauf eines Neuwagens oder jungen Gebrauchtwagens mit einem Preisnachlass unterstützt. Der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, kritisierte ein „irres Verständnis von Langlebigkeit“. Er sprach angesichts der Rabatte von „Einwegautos“, die nur noch für die Geltungsdauer einer Abgasnorm hielten. Im Falle einer beschädigten Bremse sei klar, dass nur repariert werde, beim Diesel sei das anders: „Hier soll ein neues Auto gekauft werden“. Autobranchenexperte Ferdinand Dudenhöffer sprach von einem „Konjunkturprogramm“ – dies passe in die Zeit, VW versuche den Verkaufsrückgang aufzufangen.

ACE warnt vor Ausnahmen bei Dieselfahrverboten

Der Autofahrerclub ACE warnte vor weiteren Sonderregelungen bei anstehenden Fahrverboten. „Die Ausweitung von Ausnahmen ist keine Lösung“, sagte der Vorsitzende des Vereins, Stefan Heimlich. Sonderrechte etwa für Handwerker seien überflüssig, weil auch deren Fahrzeuge nachgerüstet werden könnten. „Die Nachrüstung ist wesentlich preiswerter als die Neuanschaffung einer gesamten Flotte.“ Auch Greenpeace-Experte Benjamin Stephan kritisierte die angedachten Ausnahmen. „Wenn jeder ein Härtefall ist, kann ich mir das Instrument sparen“, sagte er. „Damit kriege ich am Ende nicht den gewünschten Reduktionseffekt.“ Seiner Meinung nach sind die Verbote in Frankfurt der richtige Weg. Dort lässt das zuständige Verwaltungsgericht nur zeitlich begrenzte Ausnahmen zu und Gebühren sollen Anreize zur Um- oder Nachrüstung setzen.