Abgasskandal - Wochenrückblick vom 12.3. – 18.3.2018


Politiker empörten sich über die Gehälter der VW-Manager, eine Abwrackprämie für Dieselfahrzeuge stand in der Diskussion, VW veröffentlichte seine vollständige Jahresbilanz, der VW-Konzern hält eine technische Nachrüstung von Dieselfahrzeugen für möglich, VW-Nutzfahrzeuge setzen auf eine Elektrifizierung und die Gespräche über das neu aufzustellende VW-Händlernetz kommen bisher nur schleppend voran.

Kritik für hohe VW-Managergehälter

VW-Chef Matthias Müller erhielt für das Jahr 2017 10,14 Millionen Euro als Vorstandsgehalt. Diese Summe liegt über der vom Konzern im Rahmen des Abgasskandals versprochenen Deckelung von maximal 10 Millionen Euro pro Jahr. Der Konzern begründete die Überschreitung durch Nebenleistungen und Altersvorsorgezahlungen, welche man nicht mitrechnen dürfe. Die Vergütung der Mitglieder des VW-Konzernvorstandes stieg im vergangenen Jahr auf rund 50,3 Millionen Euro nach 39,5 Millionen Euro im Jahr zuvor. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) kritisierte die Höhe der Gehaltssummen scharf. „Ich hätte nach den Abgas-Skandaljahren eine höhere Sensibilität gerade der Top-Manager in Wolfsburg erwartet“, sagte er. „Für jeden Diesel-Besitzer, der hohe Wertverluste fürchtet, aber auch für die Angestellten in dieser Leitindustrie sind die Managergehälter bei VW ein Schlag ins Gesicht“, sagte er weiter. Zudem forderte er, dass das Geld besser in einen „Entschuldigungs-Fonds“ hätte gelegt werden sollen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich zu den Gehältern. Sie sagte, sie freue sich, wenn es Gewinne gebe, weil dann vielleicht auch Geld in die Zukunft investiert werden könne. Trotzdem sei sie schon erstaunt gewesen, dass es auch sehr hohe Zuwachsraten bei bestimmten Gehältern gebe.

Abwrackprämie für Dieselfahrzeuge?

Der SPD-Landtagsfraktionschef von Baden-Württemberg, Andreas Stoch, schlug vor, mit einer Abwrackprämie für alte Autos könnten Dieselfahrverbote vermieden werden. „Bei älteren Fahrzeugen der Abgasnorm Euro 4 und darunter müssen wir darüber nachdenken, ob wir die Menschen mit einer Abwrackprämie unterstützen“, sagte Stoch in Stuttgart. Grüne und FDP kritisierten den Vorschlag: „Stochs Abwrackprämie für Euro-4-Diesel kann direkt in die Schrottpresse. Damit würden nur jene Fahrzeuge aus dem Verkehr gezogen, die bis Ende 2010 zugelassen worden sind“, sagte ein Sprecher der Landes-Grünen. Vielmehr seien übergreifende Lösungen für den gesamten Fahrzeugbestand nötig. Die FDP sieht in dem Vorschlag ein Weiterreichen des Problems an den Steuerzahler. Stattdessen müssten die anfallenden Kosten von den Autoherstellern selbst getragen werden. Denn in der sozialen Marktwirtschaft gelte das Verursacherprinzip. Stoch sagte, bislang biete die Autoindustrie nur eine Umstiegsprämie, wenn Kunden einen Neuwagen kauften. „Viele Menschen haben aber keine 20.000 oder 25.000 Euro auf der hohen Kante für ein neues Auto“, gab er zu Bedenken. „Für so jemanden kann es interessant sein, das alte Fahrzeug zu verschrotten und sich mit einer Abwrackprämie ein gebrauchtes Fahrzeug zu kaufen.“

Rekordgewinn bei VW

Volkswagen stellte seine vollständige Bilanz für das Jahr 2017 vor. Der Kernbereich VW Pkw warf 2017 einen Betriebsgewinn von rund 3,3 Milliarden Euro ab. Im Vorjahr waren es noch 1,9 Milliarden Euro gewesen. Insgesamt verdoppelte sich der Gewinn im Vergleich zum Vorjahr auf 11,4 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis stieg sogar auf ein Rekordniveau von 13,8 Milliarden Euro – über sieben Milliarden mehr als im Vorjahr. Zudem verkaufte der Konzern 2017 mit 10,74 Millionen Fahrzeugen mehr Autos als jeder andere Hersteller der Welt.

VW hält technische Nachrüstung von Dieselfahrzeugen für möglich

Der VW-Konzern kam schon 2016 in internen Analysen zu dem Schluss, dass der nachträgliche Einbau einer Abgasbehandlung in sieben von zehn Fällen möglich sei. Viele Experten sehen in dieser von der Industrie abgelehnten Technik eine entscheidende Möglichkeit, um Dieselfahrverbote zu verhindern. In einer vertraulichen Präsentation der Konzernentwicklung, die nun bekannt wurde, heißt es: Bei rund 70 Prozent der Fahrzeuge sei eine entsprechende Abgasanlage „aus dem Baukasten im Unterboden einsetzbar.“ Zu diesen Fahrzeugen zählten die VW-Modelle Passat und Golf, der Audi A3 und der Skoda Octavia. Für 30 Prozent der Modelle, darunter Audi A4/A5 und VW Polo, sei eine „Neuentwicklung“ der sogenannten SCR-Abgasreinigung erforderlich. Öffentlich lehnt der Konzern Hardware-Nachrüstungen weiterhin vehement ab. Laut der VW-internen Untersuchung hatte Volkswagen die Bauteile für die Umrüstung zum Großteil selbst im Angebot, die Umrüstung hätte in diesem Jahr starten können. Auf Anfrage teilte Volkswagen mit, dass es sich vermutlich um eine Analyse handele, in der es „rein um die mechanische Einbaubarkeit“ verschiedener Teile zur Abgasnachbehandlung ging. Heute sei „eine akzeptable Produktreife der Hardware-Nachrüstung kurzfristig nicht darstellbar“.

VW-Nutzfahrzeuge setzen auf Elektrifizierung

VW-Nutzfahrzeuge will künftig für jede neue Modellgeneration eine Variante mit elektrischem Antrieb anbieten. Neue Lösungen für den Stadtverkehr seien eine „riesige Chance, wenn wir es richtig machen“, sagte Markenchef Eckard Scholz in Hannover. „Wir müssen Lösungen bieten, die beides können – Verbrenner und Batterie.“ Bei einer durchschnittlichen täglichen Fahrstrecke von 150-200 Kilometern etwa bei Kurierdiensten und im Handwerk seien E-Fahrzeuge ideal. Dennoch sei der Dienstleistungs- und Warenverkehr mindestens in den kommenden zehn Jahren ohne Verbrenner – speziell ohne Diesel – kaum zu ersetzen.

Partnerverband: Gespräche über VW-Händlernetz schleppend

Die Gespräche über die künftige Verkleinerung und Neuausrichtung des Händlernetzes der Volkswagen-Kernmarke VW Pkw kommen nach Einschätzung des Händlerverbandes nur schleppend voran. Nach mittlerweile vier Gesprächsrunden seien die Positionen noch weit auseinander, sagte der Chef des Volkswagen- und Audi-Partnerverbandes, Dirk Weddigen von Knapp, auf einer Mitgliederversammlung in Hannover. Die Verhandlungen könnten sich ihm zufolge bis ins zweite Halbjahr 2018 hinziehen.