Abgasskandal - Wochenrückblick vom 11.9. – 17.9.2017


Der Händlerverband übte Kritik an VW, die Bundesregierung zeigte sich zufrieden mit ihrem bisherigen Vorgehen im Abgasskandal, die ausländischen Autokonzerne verweigerten die vollständige Finanzierung des Dieselfonds, Skoda strich den Dieselmotor bei einer Fahrzeugreihe, Angela Merkel (CDU) kritisierte die Automanager bei der Eröffnung der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt und der ADAC forderte von VW eine Entschädigung für die Dieselfahrer.

Kritik des Händlerverbandes an VW

Der Verbandschef der VW- und Audihändler, Dirk Weddigen von Knapp, kündigte Schadensersatzforderungen in bis zu dreistelliger Millionenhöhe gegen Volkswagen an. Zudem kritisierte der Verband den Mutterkonzern scharf. Wie der Konzern mit dem Skandal umgehe, sei unglaublich. Man bekenne sich nicht schuldig für das, was man verursacht habe, sagte von Knapp. Die Händler fordern Schadensersatz für den Preisverfall von Dieselfahrzeugen sowie für den Zeitaufwand, der den Händlern durch das Vorgehen der Kunden entsteht, die gegen VW klagen. Der Verband lasse momentan ein Rechtsgutachten erstellen, um seine Ansprüche zu untermauern, so von Knapp weiter. Der Verband vertritt die Interessen der mehr als 2400 Handels- und Servicepartner der Marken VW, Audi und VW-Nutzfahrzeuge und ist somit wesentliche Stütze von Verkauf und Wartung von Fahrzeugen an Endkunden. Viele Klagen der Dieselfahrer richten sich gegen die Händler und nicht gegen VW direkt. Von Knapp äußerte Verständnis für die Kunden, er fühle sich aber gleichzeitig von VW „im Stich gelassen.“ VW reagierte scharf auf die Kritik. VW-Deutschland-Vertriebschef Thomas Zahn bezeichnete die Kritik als geschäftsschädigend. Die Darstellung der Themen entspreche nicht den Fakten und den öffentlich zugänglichen Informationen, so Zahn.

Bundesregierung mit Vorgehen zufrieden

Ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums zeigte sich zufrieden mit dem Vorgehen der Bundesregierung im Abgasskandal. Man sei weltweit ein Vorreiter im Einsatz für Verbraucher und Umwelt, kein anderes Land habe so weitreichende Konsequenzen aus der Abgasaffäre gezogen, so der Sprecher. Dabei verwies er unter anderem auf die Anordnung eines Rückrufs von 2,4 Millionen Fahrzeugen von Volkswagen, die freiwillige Optimierung von 630.000 Fahrzeugen durch andere Hersteller und eine Verschärfung der Kontrollen bei der Typzulassung.

Ausländische Konzerne verweigern Finanzierung des Dieselfonds

VW, Daimler und BMW wollen den Industrieanteil am eingerichteten Milliardenfonds nicht alleine finanzieren. Auf dem Dieselgipfel Anfang August war beschlossen worden, die Hersteller würden zu dem Fonds 250 Millionen Euro zusteuern, aufgeteilt nach ihren Marktanteilen. Nun gab das Bundesverkehrsministerium auf eine Anfrage der Grünen jedoch bekannt, dass dieser Anteil bei weitem nicht erreicht werde. Gemeinsam kommen VW, Daimler und BMW auf etwa 53 Prozent Marktanteil, folglich müssten sie 134 Millionen Euro in den Fonds zahlen. Für den restlichen Anteil ist vorgesehen, dass dieser von den übrigen, zumeist ausländischen Herstellern beigesteuert wird, die diese Aufforderung bislang ignorieren. Stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen, Oliver Krischner kritisierte, dass nun ausgerechnet die ausländischen Hersteller und Opel, bei denen Grenzwertüberschreitungen der Stickoxide besonders hoch waren, sich vor der Beteiligung drückten. „Eigentlich müsste der Fonds deutlich aufgestockt und komplett von allen Herstellern finanziert werden“, so Krischner weiter.

Skoda streicht Dieselmotor bei Fabia

Skoda streicht den Dieselmotor bei seiner Baureihe Fabia. Vom kommenden Jahr an werde der Diesel im Modell nicht mehr angeboten, gab der Skoda-Vorstandschef bekannt. Dies ist der erste Rückzug einer Marke des Volkswagen-Konzerns aus der Herstellung eines Kleinwagens mit Diesel-Motorisierung. Der Rückzug gelte für die komplette Modellreihe und sei nicht auf einzelne Märkte beschränkt. Auch beim neuen Fabia, der in ein bis zwei Jahren auf den Markt käme, werde es keine Dieselausführungen mehr geben, sagte der Vorstandschef. Begründet wurde die Entscheidung mit steigenden Kosten für die Abgasbehandlung. Preiserhöhungen seien aber bei Kleinwagen schwer durchzusetzen.

Merkel kritisiert Automanager bei IAA-Eröffnung

Bundeskanzlerin Merkel (CDU) kritisierte bei der Eröffnung der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am 14. September die Automobilindustrie. „Sie haben sich damit nicht nur selbst Schaden zugefügt, sondern vor allem auch Verbraucher und Behörden getäuscht und enttäuscht“, sagte die Kanzlerin. Es sei viel Vertrauen zerstört worden und die Branche müsse nun alles daran setzen, die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen so schnell wie möglich zurückzugewinnen, so Merkel weiter. Eine Verbannung des Dieselmotors lehnte sie jedoch ab. „Es geht kein Weg daran vorbei, dass wir auf Jahrzehnte noch Verbrennungsmotoren brauchen und gleichzeitig in neue Antriebstechnologien investieren“, sagte sie. Um drohende Fahrverbote zu vermeiden, müssten Verbrennungsmotoren sauberer werden, zudem seien Investitionen in neue Antriebe erforderlich, so die Kanzlerin.

ADAC fordert von VW Entschädigung für Dieselfahrer

Der ADAC fordert vom Volkswagen-Konzern eine freiwillige Zahlung in Höhe von je 5000€ für alle 2,6 Millionen deutschen Autobesitzer, denen der Konzern manipulierte Autos verkauft hatte. Insgesamt ergibt sich daraus eine Forderung in Höhe von 13 Milliarden Euro. Auf der IAA sagte Ulrich Klaus Becker, ADAC-Vizepräsident, aus der Nachrüstung könnten sich Langzeitschäden ergeben, folglich solle VW auch den deutschen Kunden eine Entschädigung wie in den USA anbieten. Auch den VW-Kunden in Kanada stehen Entschädigungszahlungen zu. In den USA habe VW den Kunden 5000 Dollar gezahlt, dies solle auch für Deutschland der Rahmen sein, so Becker.